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Wärmepumpe nachrüsten 2026: BAFA-Förderung + drei Modellrechnungen

· 8 Min Lesezeit

Wärmepumpe Bestandsbau 2026 — drei Modellrechnungen unsaniert teilsaniert KfW-115

Eine Wärmepumpe im Bestand 2026 nachzurüsten lohnt sich nicht pauschal, sondern bei drei klar abgegrenzten Bestandsbau-Typen unterschiedlich. Im 1985er teilsanierten Reihenhaus mit Niedertemperatur-Heizkörpern spart eine Luft-Wasser-Wärmepumpe gegenüber Erdgas etwa 950 Euro pro Jahr — Amortisation acht bis elf Jahre nach BAFA-Förderung. Im unsanierten Altbau aus den 1960ern ohne Hüllendämmung kippt die Wirtschaftlichkeit. Wir zeigen drei konkrete Modellrechnungen und die aktuellen Fördersätze.

Schnell-Antwort: Wärmepumpen-Wirtschaftlichkeit 2026 hängt an drei Größen: Vorlauftemperatur (unter 55 Grad), Jahresarbeitszahl (über 3,0 bei Luft-Wasser) und BAFA-Förderquote (30 bis 70 Prozent). Im teilsanierten Bestand ab Baujahr 1985 spart eine Luft-Wasser-Wärmepumpe gegenüber Erdgas typisch 700 bis 1.100 Euro pro Heizsaison. Im unsanierten Altbau ohne Hüllendämmung erst nach Vorsanierung sinnvoll.

In diesem Artikel

Wie eine Wärmepumpe im Bestand funktioniert

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe entzieht der Außenluft Wärme und gibt sie über Kompressor und Wärmetauscher als Heizwärme an den Heizkreislauf. Pro Kilowattstunde Strom liefert sie 2,8 bis 4,2 Kilowattstunden Wärme — das Verhältnis heißt Jahresarbeitszahl (JAZ). Das bedeutet: 18.000 Kilowattstunden Heizwärmebedarf werden bei JAZ 3,4 mit 5.300 Kilowattstunden Strom erzeugt.

Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Erdsondenbohrung erreichen typisch JAZ 3,8 bis 4,5 — sie sind teurer in der Anschaffung (Bohrung 8.000 bis 14.000 Euro Mehrkosten), arbeiten aber konstanter. Im Bestandsbau wird in der Regel Luft-Wasser eingebaut, weil Bohrung und Erdkollektor selten machbar sind.

Die Vorlauftemperatur ist die kritische Größe: Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger die Heizungsvorlauf-Temperatur. Klassische Heizkörper aus dem Bestand sind oft auf 70/55 Grad ausgelegt. Wenn die Pumpe Vorlauf 55 Grad liefern muss, sinkt die JAZ unter 3,0 — Wirtschaftlichkeit kippt. Zwei Wege: Heizkörperflächen vergrößern (Niedertemperatur-Heizkörper) oder Vorlauftemperatur durch Hüllendämmung absenken.

Voraussetzungen im Bestandsbau

Vier Checkpoints, in dieser Reihenfolge:

Wer noch unsicher ist, ob die Hülle reicht: Im Wärmedämmungs-Beitrag ist die Bauteil-Reihenfolge nach Wirtschaftlichkeit aufgeschlüsselt. Hülle vor Heiztechnik ist die Faustregel — aber mit BAFA-Klimageschwindigkeitsbonus 2026 ist auch der direkte Heizungstausch oft sinnvoll.

Drei Modellrechnungen 2026

Drei typische Bestandsbau-Szenarien, gleiches Reihenhaus 130 Quadratmeter, 18.000 kWh Heizwärmebedarf vor Sanierung:

SzenarioHüllen-StandVorlaufJAZ erw.WP-StromHeizkosten neuErsparnis vs Gas
1. Unsaniert (1965)nicht gedämmt65 °C2,66.900 kWh1.900 €-340 € (negativ)
2. Teilsaniert (1985)Decken gedämmt50 °C3,45.300 kWh1.430 €+910 €
3. KfW-115 saniertVollsaniert40 °C4,14.400 kWh1.190 €+1.150 €

Ergebnis: Im unsanierten Altbau (Szenario 1) ist die Wärmepumpe ohne Vorsanierung wirtschaftlich nicht darstellbar — der Strom-Mehrverbrauch frisst die Erdgas-Ersparnis auf. Erst mit zusätzlicher Hüllendämmung (Kellerdecke + oberste Geschossdecke) sinkt die Vorlauftemperatur unter 55 Grad und die JAZ steigt auf wirtschaftliche Werte. Im teilsanierten Bestand (Szenario 2) ist die Wärmepumpe der klare Sieger — 910 Euro pro Jahr, und das ohne Förderung gerechnet. Mit 50 Prozent BAFA-Förderung amortisiert sich die Mehr-Investition (Wärmepumpe 32.000 Euro vs. neue Gastherme 12.000 Euro) in acht bis elf Jahren.

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BAFA-Förderung 2026 im Detail

Stand Förderrichtlinie BEG EM 1. Januar 2026:

Beispielrechnung: Wärmepumpe 32.000 Euro, alte Gasheizung 22 Jahre alt, Einkommen über 40.000 Euro, Gerät mit R290:

Antrag MUSS vor Vertragsschluss mit dem Fachbetrieb gestellt werden — sonst keine Förderung. KfW-Ergänzungskredit (358/359) für den Eigenanteil ist möglich, mit Tilgungszuschuss bei niedrigen Einkommen.

Anbieter und Auswahl

Die Stiftung-Warentest-Vergleiche der letzten zwei Jahre zeigen ein konsistent breites Mittelfeld: Mitsubishi Ecodan, Daikin Altherma 3, Viessmann Vitocal 250-A, Bosch Compress 7400i, Stiebel Eltron WPL-A, Wolf CHA-Monoblock. Effizienz und Schallpegel ähnlich; entscheidend sind Liefersituation, lokaler Service-Partner und Refrigerant (R290 Propan ist 2026 in der Förderung bevorzugt).

Drei Auswahl-Kriterien:

  1. Verfügbarkeit eines lokalen Fachbetriebs mit mindestens fünf installierten Anlagen pro Jahr (Service + Notfall)
  2. Schalldruckpegel im Außengerät (BImSchG-Werte 35 dB(A) am Nachbargrundstück nachts)
  3. Kältemittel R290 (Klima-relevant + Effizienzbonus)

Häufige Fragen

Wann lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau wirklich?

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe rechnet sich im Altbau ab Baujahr 1985 mit zumindest teilsanierter Hülle und Heizkörpern, die mit Vorlauftemperatur unter 55 Grad auskommen. Bei Vorlauftemperaturen über 60 Grad sinkt die Jahresarbeitszahl unter 3,0 — die Wirtschaftlichkeit kippt. Konkret: Ein 1985er teilsaniertes Reihenhaus mit 18.000 kWh Heizbedarf spart mit Wärmepumpe (JAZ 3,4) gegenüber Erdgas (12,5 ct/kWh) etwa 950 Euro pro Jahr — bei Wärmepumpenstrom 27 ct/kWh.

Wie hoch ist die BAFA-Förderung für Wärmepumpen 2026?

Die BAFA fördert 2026 Luft-Wasser-Wärmepumpen mit 30 Prozent Grundförderung. Boni: 5 Prozentpunkte Klimageschwindigkeitsbonus (bei Tausch alter Öl- oder Gasheizung), 30 Prozentpunkte einkommensabhängiger Bonus (Haushaltseinkommen unter 40.000 Euro), 5 Prozentpunkte Effizienzbonus für besonders effiziente Geräte. Maximaler Fördersatz: 70 Prozent. Maximale förderfähige Investitionssumme: 30.000 Euro pro Wohneinheit.

Welche Jahresarbeitszahl muss eine Wärmepumpe haben?

Für die BAFA-Förderung gelten 2026 Mindest-Effizienzwerte (ETAs): Luft-Wasser-Wärmepumpen mindestens 135 Prozent ETAs, Sole-Wasser mindestens 150 Prozent. Im Realbetrieb übersetzen sich diese Werte in Jahresarbeitszahlen (JAZ) von etwa 2,8 für Luft-Wasser und 3,8 für Sole-Wasser. Wirtschaftlich attraktiv wird es ab JAZ 3,0 für Luft-Wasser. Die Fraunhofer-ISE-Feldstudie zeigt, dass moderne Geräte in gut sanierten Gebäuden JAZ 3,5 bis 4,2 erreichen.

Was kostet eine komplette Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Einbau?

Im Einfamilienhaus 2026 typisch 28.000 bis 42.000 Euro brutto inklusive Außen- und Innengerät, Pufferspeicher, Hydraulik, Demontage der alten Heizung und Inbetriebnahme. Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Erdsondenbohrung 38.000 bis 55.000 Euro. Vor BAFA-Förderung. Mit 50 Prozent Förderung (Grundförderung + Klimageschwindigkeitsbonus + Effizienzbonus) bleibt der Eigenanteil bei 14.000 bis 21.000 Euro für Luft-Wasser.

Brauchen Wärmepumpen viel Strom?

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in einem 1985er teilsanierten Reihenhaus mit 18.000 Kilowattstunden Heizbedarf und JAZ 3,4 verbraucht 5.300 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Plus 4.500 Kilowattstunden Haushaltsstrom = 9.800 Kilowattstunden gesamt. Bei Wärmepumpenstrom 27 ct/kWh und Haushaltsstrom 30 ct/kWh sind das etwa 2.780 Euro Strom pro Jahr — gegenüber 2.300 Euro Erdgas vor Wechsel ist das mehr Strom, aber unter dem Strich 950 Euro weniger Heizkosten.

Lohnt sich Wärmepumpe plus Photovoltaik?

Ja, eine 8 bis 10 kWp Photovoltaikanlage mit 8 bis 10 kWh Speicher kann 35 bis 45 Prozent des Wärmepumpenstroms aus Eigenproduktion decken. Konkret: bei 5.300 kWh Wärmepumpen-Stromverbrauch pro Jahr senkt PV+Speicher die Stromrechnung um weitere 380 bis 540 Euro. Details und Amortisationsrechnungen im Photovoltaik-Beitrag.

Quellen